Kommunikationswissenschaftlicher Blog 

Meine Einträge haben mur einen einzigen Grund: Ich möchte den Besucher/innen meiner Website, den Leser/innen meiner Bücher und den Betrachter/innen meiner Bilder, die an den Erkenntnisgewinnen meiner Arbeit interessiert sind, weitere Informationen bieten.

Summertime
Summertime

   

Thesis 21 - Basisdenken zu allen Jahreszeiten 

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte! Das Gemälde "Summertime" kann sicherlich zu heiterer Stimmung beitragen, aber erklären, was mit Thesis 21 gemeint ist, kann es nicht. Dazu bedarf es der Worte, auch wenn heute gerne behauptet wird, lange Texte würden nicht gelesen. In Wirklichkeit kommt es darauf an, was drin steht! Außerdem: Wer sich artikulieren kann, vermag klarer zu denken! Nur zu konsumieren ist kein Ausdruck von Vernunft. Etwas zu durchdenken und handwerklich entstehen zu lassen, schafft garantiert sehr viel eher als alles andere Zufriedenheit. Manchmal sogar Glücksmomente. Lassen Sie die Schlüsselkompetenz "Kreativität" in Ihrem Leben nicht zu kurz kommen!

 

Was ist der Kern von Thesis 21?

Auf der Homepage finden Sie gleich zu Anfang die etwas apodiktische These: Alle unsere Probleme sind letztlich Kommunikationsprobleme! Zunächst mag dieser Satz banal anmuten oder höchstens Anreiz sein, ihn sofort in Frage zu stellen. Als ich diese Hypothese als junger Kommunikationswissenschaftler vor über 40 Jahren formulierte und in meinen Schriften veröffentlichte, konnte ich auch nicht ahnen, welche Dimensionen sich aus dieser Erkenntnis entwickelten. Nicht nur für mich selbst, sondern insbesondere für die weltweiten Projekte, an denen ich mitwirken durfte und die vielen anderen Vorhaben, die auch auf genau dieser Erkenntnis basierten. Doch der Reihe nach: Das kleine Wörtchen "alle" war in der Theorie die Provokation, an der man sich reiben konnte. Bisher wurde im Übrigen nicht das Gegenteil bewiesen. In Wirklichkeit war jedoch sehr viel wichtiger, dass mit der These etabliert wurde, dass sich durch kommunikative Ansätze besser, schneller und kostengünstiger Lösungen erreichen ließen. Sogar in der Praxis!


 

Was haben Sie von dieser Erkenntnis?

Entscheidend sind für die meisten Menschen nicht die Erfahrungen, die ich mit der Anwendung von Thesis 21 in 24 Ländern auf wirtschaftlichem Gebiet sammeln konnte, sondern ist eher der persönliche Bereich. Als Denkbasis kann diese Theorie mehr Richtung und Nähe zum eigenen kulturellen Kontext bringen. Und gleichzeitig weniger Angst, etwas im Leben zu verpassen. Warum?

 

Die Kommunikation mit sich selbst ist oft gestört! Heute, im Jahre 2014, ist mir beispielsweise anhand von Studien aufgefallen, dass höhere Bildung signifikant mit psychischen Störungen korreliert, insbesondere wenn als sinnvoll erlebte Aktivitäten fehlen. Um es auf den Punkt zu bringen: Gerade Frauen mit Abitur stellen den höchsten Anteil dieser Patienten. Jeder dürfte aus den Medien mitbekommen haben, dass der Anteil der psychischen Erkrankungen stark steigt und bei der Frühverrentung eine immer größere Rolle spielt. Es handelt sich folglich wirklich um ein gravierendes Problem! Nicht nur volkswirtschaftlich, sondern auch persönlich für die Betroffenen. Des Weiteren kommt hinzu, dass die Vereinbarung von Beruf und Familie im Alltag meistens nicht so unproblematisch ist, wie gerne dargestellt wird. Wie könnte man einer Lösung näher kommen?

 

Es ist zu wenig bekannt, dass psychische Störungen häufig durch falsche und unrealistische Erwartungen ausgelöst werden. Wir haben es hier oft mit dem bekannten Phänomen der kognitiven Dissonanz zutun, also der widersprüchlichen Wahrnehmung von Einstellung und Verhalten. Es wird jedem einleuchten, dass dieses Gefühl zur physiologischen Erregung führen kann, wenn keine Lösung in Sicht ist und ausgleichende Aktivitäten nicht vorhanden sind. 


 

Die Kommunikation mit dem Umfeld einerseits und vor allem auch mit sich selbst, funktioniert dann nicht in einer Weise, die man als gesund bezeichnen kann. Man belügt sich häufig selbst, doch um es eleganter auszudrücken: Es wird keine hinreichende Kongruenz zwischen Image und Identität mehr erzielt. Mit anderen Worten: Das äußere Wunschbild klafft zu stark mit dem gefühlten Real-Ich auseinander. Erschwerend kommt hinzu, dass unser Ich durch die virtuelle, digitale Komponente der Ich-Bildung angegriffen wird und in Sozialen Netzwerken allzu leicht zum Doppel-Ich mutieren kann. Was wäre daran so schlimm? Nun, es könnte die persönliche Freiheit einschränken! Man ist der schleichenden Gefahr ausgesetzt, erheblich an Entscheidungs-Autonomie zu verlieren und fremdbestimmt zu werden. 

 

Wie läßt sich ein vitales Ich erhalten? Das Ich bezeichnet die eigene, ganz individuelle Identität. Sein Zustand ist fundamental für die Vitalität. Wer wünschte sich nicht, volle Lebenskraft zu haben? Das Ich ist die Instanz in der Psyche, die für die Wahrnehmung und Überprüfung der Realität zuständig ist. Außerdem ist es für die Steuerung der Schutzfunktionen und Abwehrmechanismen verantwortlich. Beispielsweise für die Vermeidung von Affekten, die mit Angst, Schuld, Scham oder Minderwertigkeitsgefühlen einhergehen. Wissen allein reicht nicht, um ein starkes Ich zu erhalten oder zurück zu gewinnen. Man muss auch daran arbeiten, die Ich-Funktionen durch konkrete Antworten auf wesentliche Lebensfragen zu stabilisieren. Dies bedeutet in jedem Fall Entscheidungen zu treffen und aktiv zu werden.

 

Die Zukunft ist nicht vorhersehbar! Das Leben darf nicht in eine Richtung fließen, sondern muss wunschgemäß gestaltet werden. An ein vorbestimmtes Schicksal zu glauben, ist dabei wenig hilfreich und motivierend. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es eine solche Vorbestimmung ohnehin nicht und auch keine verlässlichen Vorhersagen der Zukunft. Was es real gibt, sind vielfältige Chancen und Möglichkeiten, deren erfolgreiche Nutzung entscheidend davon abhängt, wie mit anderen und sich selbst kommuniziert wird. Die Beschaffenheit und die Inhalte unserer Kommunikation haben einen direkten Einfluss auf unser seelisches und körperliches Wohlbefinden. Denn nicht nur in unserem Gehirn, auch in unserem gesamten Körper, laufen permanent autonome Kommunikationsprozesse ab, die durch Botenstoffe gesteuert werden. Wenn sie gestört sind, findet im Regelfall automatisch eine Reparatur statt, von der wir nichts mitbekommen. Erst wenn das Problem zu groß ist, erhalten wir Signale in Form von Missempfindungen und Schmerzen. Auch hier findet also Kommunikation statt und wir sind aufgefordert, zu reagieren.

 

Beispielsweise indem wir den Rat eines Experten, eines Arztes oder Therapeuten, suchen. Auch hier ist die Qualität der Kommunikation für die richtige Diagnose und Therapie entscheidend. Und falls ein Medikament verschrieben wird, sei darauf hingewiesen, dass die Wirkstoffe in Arzneien ebenfalls im erweiterten Sinne kommunizieren, das heißt, sie sollten irgendwo an der richtigen Stelle andocken und die beabsichtigte Wirkung erzielen. Das alles ist äußerst kompliziert und kann gelingen, muss aber nicht. Die auf natürliche Weise im Körper stattfindenden Reparaturen sind in aller Regel wirksamer als die künstlich von außen herbeigeführten. Letztere sind jedoch nicht immer vermeidbar und man tut deshalb gut daran, sie eher als Ergänzung denn als alternativlose und sichere Lösung zu betrachten.   

 

In jedem Bereich des Lebens können wir Probleme eher lösen, wenn wir die richtige Kommunikationsstrategie wählen. Dies bedeutet nicht etwa, wir könnten für grundsätzlich alles immer zeitnahe eine Lösung finden. Es bedeutet jedoch schon, dass wir bessere Channcen haben, zu Ergebnissen zu kommen, wenn wir uns über die Philosophie, also den Zweck, über die Strategie, also die Zielsetzung, über das Konzept, also die Idee und über die Exekution, also die Umsetzung, weitgehend klar sind. Jedenfalls gilt das für komplexe Aufgaben, beispielsweise wie das Schreiben eines Buches oder das Malen eines Bildes auf eine große Leinwand. Selbstverständlich gilt dieses in der Planungsphase eher rationale Vorgehen genauso für das Entwerfen eines realistischen Selbstbildes.


 

Auch die Finanzkrise basiert auf mangelhafter Kommunikation. Lange wurde angenommen, die Märkte würden nichts vergessen und nichts verzeihen, sie würden sozial und gerecht sein und sich selbst regulieren. Wie wir inzwischen wissen, trifft diese Annahme keineswegs zu. Eines der spektakulärsten Beispiele ist der globale Finanzmarkt. Seine Bedingungen haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert, sowohl durch den Computer- und Algorithmen-Handel, wie auch durch seine völlige Unkontrollierbarkeit. Märkte, auf denen bekanntlich Waren, Dienst-leistungen und Rechte gehandelt werden, können offenbar sehr schnell ins Virtuelle abgleiten und zum Erstaunen vieler Experten unsichtbar geraten. Bevorzugt dann, wenn in großem Stil mit Werten gehandelt werden darf, die gar nicht existieren. Nur mit dem Drucken von Geld und ohne tiefgreifendes Markt-Design wird sich die Dauerkrise mit Sicherheit nicht lösen lassen.


 

Woran politische Entwicklungen ursächlich scheitern! Nach heutigen wissen-schaftlichen Erkenntnissen haben Begriffe wie Wirklichkeit und deren Verlust nicht unbedingt die Bedeutung, die ihnen gerne zugeordnet wird. Wirklichkeit ist für uns, was wir über die Welt gelernt haben und erinnern. Wir projizieren unsere Erwartungen, die weitgehend aus persönlichen Erfahrungen bestehen, auf unsere Umwelt und nehmen diese dann so konstruiert wahr. Entspricht allerdings die Realität nicht unseren Erwartungen, haben wir oft beträchtliche Mühe, sie zu erkennen. Entscheidend dafür, was wir wahrnehmen, ist nämlich nicht angelesenes, abstraktes Wissen, sondern sind meistens unsere inneren Überzeugungen, die von den objektiven Gegebenheiten meilenweit abweichen können. Zu erwarten, dass beispielsweise die großartige Idee der Demokratie in sämtlichen Kulturen kongruent erlebt wird, erscheint deshalb geradezu utopisch. Hindert jedoch weite Teile unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten nicht daran, sich ausdauernd darüber zu wundern und gar zu empören, dass Konflikte aller Art überall auf der Welt immer wieder aufbrechen. Alle diese Krisen und Kriege haben eben auch im 21. Jahrhundert ohne jede Ausnahme als Ursachen letztlich Kommunikationsprobleme aufgrund von Motivations-Differenzen zwischen den mit Macht ausgestatteten Beteiligten. 


 

Joachim Kath